Abwärts und nicht vergessen

Jungle World:

“08.01.2026

Das Leben des Punk-Sängers Frank Z

Abwärts und nicht vergessen

Podkowik Propaganda.

Frank Z, Kopf der Punkband Abwärts, ist vor zwei Jahren gestorben. Sein Frühwerk ist allseits beliebt, später wurde er unterschätzt.

Kolumne »Podkowik Propaganda«

Von Kolja Podkowik”

Siehe:
https://jungle.world/artikel/2026/02/punk-saenger-frank-z-abwaerts-und-nicht-vergessen

“Die Punkszene in Hamburg war um 1980 ganz verbissen, alles sollte hart sein, bloß keine Zwischentöne, sogenannte Kunstbands wurden regelmäßig von der Bühne gejagt. Eine Band, der das nie passierte, waren Abwärts – obwohl sie dem gängigen Punk-Klischee nicht entsprachen.

FM Einheit, später bei den Einstürzenden Neubauten, benutzte Rasseln, Tröten und Radios. Margita Haberland, die einst mit Gudrun Ensslin zusammengewohnt hatte, spielte Geige und führte Schlangentänze auf.

Frank Z – dieser in seiner Musik so schlecht gelaunte, aber im persönlichen Umgang so herzliche Mann, der zu den besten Textern gehört, die Punk hierzulande hervorgebracht hat, ließ sich von gar nichts beirren.

Dazu sang Frank Z im Staccato seine Schlagworte: »Stalingrad, Stalingrad, Deutschland Katastrophenstaat / Wir leben im Computerstaat«. Noch war die Gitarre dünn, die Musik verspielt und fragil, die Arrangements waren irritierend – doch die Hardcore-Punks im Publikum wussten genau, dass sie am Watschenbaum rütteln, wenn sie diese Band bewerfen oder verhöhnen. Abwärts galten als wehrhaft.

Obendrein konnten sich auf »Computerstaat« alle einigen – bis heute. Es war das Abwärts-Stück, das einem Hit am nächsten kam; später wurde es von den Goldenen Zitronen, den Toten Hosen und Westbam gecovert.

Die Ursprungsbesetzung von Abwärts zerbrach jedoch schon bald. Über alles, was Frank Z danach mit wechselnden Bandmitgliedern veröffentlichte, rümpfte die popintellektuelle Avantgarde stets die Nase: zu rockig, zu pathetisch, zu peinlich. Frank Z war das scheißegal – dieser in seiner Musik so schlecht gelaunte, aber im persönlichen Umgang so herzliche Mann, der zu den besten Textern gehört, die Punk hierzulande hervorgebracht hat, ließ sich von gar nichts beirren.

Die Spätphase von Abwärts eine Hochphase
Obendrein finden sich in jeder Abwärts-Schaffensperiode große Würfe, sogar auf den Metal-Platten, man muss nur auf die Texte achten. Zugegebenermaßen sollte man manchmal auch über die etwas, nun ja, eigene Sprache hinwegsehen.

Entgegen dem Bandnamen war nicht zuletzt die Spätphase von Abwärts eine Hochphase. Irgendwann war Frank Z nach Kreuzberg gezogen, irgendwann wieder weg, er hatte »die Schnauze voll vom grünen Disneyland«.

Seine Kunst aber litt nicht dar­unter: »All die guten Leute / Laufen hin und her / Fragen, sagen, reden /Alles kreuz und quer / Sieh nur, wie sie laufen / Laufen hin und her / ­Happy happy ding dong / Und alle ­Affen hinterher / Und der eine vegetarisch / Und der andere vegan / Kein Alkohol, kein Satan / Was hat man euch getan? / Aber für nichts auf der Welt / Muss ich mir das alles geben / Aber für nichts und doppelt gar nichts / Rühr ich in dieser Scheiße mit«.”

Quelle:
https://jungle.world/artikel/2026/02/punk-saenger-frank-z-abwaerts-und-nicht-vergessen