“Statement zur Buchhandlungspreisvergabe
Wir – der Buchladen Schwarze Risse – gratulieren den Kolleg:innen der Buchläden ‘Golden Shop’ [Bremen] , ‘Rote Strasse’ [Göttingen] und ‘zur schwankende Weltkugel [Berlin] zur Verleihung des Prädikats: verfassungsgeprüft gefährlich!
Für die Buchhandlungspreisvergabe hat dem Minister die gewählte Fachjury nicht genügt, Weimar hat für seine Entscheidung die Behörde herangezogen, die im geheimen agiert. Weshalb ja auch dem Minister die Inhalte seiner Entscheidungsrundlage unbekannt sind, so sagt er. Bekannt ist hingegen, dass diese mit der Verfassungsprüfung beauftragte Behörde nicht nur zu den ausspionierten Informationen über die Buchläden schweigt, sondern auch zur eigenen Rolle bei den rassistischmotivierten Morden des NSU. Über eine mögliche Mitwisserschaft oder anderes soll der Aktendeckel gleich mal ganze 120 Jahre unter Verschluss bleiben.
Wohin will Minister Weimar die Kultur führen?
Der Angriff auf die linken Buchläden mit dem Verweis auf ihre verfassungsgeprüfte Gefährlichkeit ist kein Einzelfall. Er reiht sich ein in diverse Vorfälle repressiver Maßnahmen mit denen sich Institutionen und/oder Personen konfrontiert sehen, die nicht im Fahrwasser der Staatsräson mitschwimmen woll(t)n und die herrschende Ordnung in Frage stell(t)en.
Wer dies tut, kann schnell ins Visier der Behörden geraten und je nach gesellschaftlicher Stimmung zum Abschuss frei gegeben werden. Reaktionäre Politiker:innen und rechte Medien dienen sich dabei gegenseitig als Stichwortgeber:innen.
Wir gratulieren zum verliehenen Prädikat ‘gefährlich’, zeigt er doch, dass diese Läden als Orte der Kritik gesehen werden: Linke Buchläden sind voll von Stimmen und Erzählungen, die kritische Perspektiven auf die bestehenden Verhältnisse werfen und aufzeigen, wie lebensbedrohlich und gefährlich, für Mensch, Tier und Natur – nicht die verfassungsgeprüften Buchhändler:innen, Autor:innen, Extremist:innen und Terrorist:innen – sondern die bürgerlichen, kapitalistischen Verhältnisse sind.
Die Erkenntnisse und Schilderungen über die Gewalt und Grausamkeiten, mit denen die herrschende Ordnung, die Besitz-und Eigentums-, die Reich- und Armutsverhältnisse durchgesetzt und aufrecht gehalten werden, sind in vielfältiger Form von denkenden und mutigen Menschen und Kollektiven analysiert und aufgeschrieben worden. Ebenso wie die inspirierenden und klugen Geschichten der diversen Widerstandsbewegungen.
All dieses Wissen, all diese Anregungen sind in großer Auswahl in linken Buchläden zu finden/anzutreffen, dazu die Buchhändler:innen, die im Austausch mit Autor:innen, kleinen Verlagen und ihrer Kundschaft dieses breite Sortiment zusammenstellen: wertschätzend, kritisch, liebevoll – in jedem Fall mit großer Leidenschaft!
Erfreulich, dass die betroffenen Kolleg:innen in den letzten Tagen so viel Zuspruch erhalten haben!
Mit dieser Solidarität und dem bewussten Aufsuchen der Buchläden tragen alle gemeinsam zum Erhalt linker Buchläden bei – im besten Fall ohne staatliche Gelder.
In Solidarität mit den betroffenen Buchläden!
Buchladen Schwarze Risse
12. März 2026”.
Quelle: https://schwarzerisse.de/
Buchladen Schwarze Risse
Gneisenaustr. 2a
10961 Berlin – Kreuzberg
2. Hinterhof
Metro-Station Mehringdamm
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“Deutscher Buchhandlungspreis
Warum der Golden Shop in diesem Jahr erstmals von der Nominierten-Liste des Preises gestrichen wurde, können wir leider nicht beantworten. Weder vom Buchhandlungspreis noch aus dem Umfeld des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien wurden wir dazu kontaktiert.
Wir haben zudem nicht den Eindruck, dass unter Wolfram Weimer ein ernsthaftes Interesse an einer transparenten Debatte besteht. Es ist das Wesen geheimdienstlicher Überwachung, sich der demokratischen Kontrolle weitgehend zu entziehen.
Das Konzept „Linksextremismus“ weisen wir grundsätzlich zurück. Die Extremismustheorie des Verfassungsschutzes setzt menschenverachtende Ideologien wie Neonazismus oder Islamismus mit emanzipatorischen Positionen – etwa antikapitalistischen oder antirassistischen – implizit gleich. Dass eine Buchhandlung mit mehreren tausend Titeln im Sortiment, darunter Musikbücher, Belletristik großer deutscher Verlage, Ausstellungskataloge und vielem mehr, pauschal einer politischen Strömung zugeordnet werden soll, ist für uns nicht nachvollziehbar.
Ja, der Golden Shop fühlt sich vielen Subkulturen verbunden, darunter auch Menschen und politischen Gruppen, die bedrohte Minderheiten vor Nazis schützen oder sich für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen. Wir sind überzeugt: Diese Menschen und Gruppen stehen fest auf dem Boden demokratischer Werte.
Unabhängige Buchhandlungen sind häufig auf Förderung angewiesen, weil sich viele Läden unter den heutigen Marktbedingungen kaum tragen. Wenn ein deutscher Geheimdienst darüber mitentscheidet, welche Bücher in welchen Schaufenstern als „staatstreu“ genug gelten, um förderwürdig zu sein, erfüllt uns das mit großer Sorge, wenngleich es uns nicht überrascht. Es ist Ausdruck einer zunehmenden Autoritarisierung und eines Rechtsrucks, der emanzipatorische und kritische Stimmen zum Verstummen bringen will. Der aktuelle Skandal in Bremen um den möglicherweise rechtswidrigen Einsatz eines psychisch kranken V-Mannes in antifaschistischen Strukturen bestärkt unsere grundsätzlich kritische Haltung gegenüber den Geheimdiensten.
Dass ausgerechnet Wolfram Weimers Behörde eine politisch motivierte Kontrolle der Kulturförderung veranlasst haben soll, überrascht uns ebenfalls nicht, obwohl Weimer selbst vor weniger als einem Jahr schrieb: „Es liegt gerade im Wesen der Kunst, Freiheit zu atmen und gerne vieldeutig zu bleiben“ (Gastbeitrag von Wolfram Weimer in der SZ | Kulturstaatsminister – Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien). Die Diskrepanz zwischen diesem Pamphlet und der autoritären kulturpolitischen Praxis zeigt, wie instrumentell das Verhältnis zur Freiheit im Konservatismus seit jeher ist.
Wahre Freiheit kann es nur von unten geben! Wir werden weiterhin gemeinsam mit vielen solidarischen Menschen für Freiräume und eine kritische Kulturlandschaft in unserer Stadt kämpfen – ob mit oder ohne Geld vom Staat.
Golden Shop am 4. März 2026″.
Quelle: https://thegoldenshop.org/
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” Redebeitrag der Buchladenpreisgewinner*innen der Herzen in Leipzig zur Buchmesse (18.03.26) und zwei Petitionen
Liebe Freund*innen des Buchladens Rote Straße,
wir möchten euch hinweisen auf zwei Petitionen anlässlich der peinlichen Praxis des “Kulturkampfministers” Wolfram Weimer. Eine hier, die seinen Rücktritt fordert https://weact.campact.de/petitions/kultur-braucht-freiheit-freiheit-braucht-kultur-weimer-muss-weg
und eine hier vom Landesverband Nord des Börsenvereins des deutschen Buchhandels https://www.openpetition.de/petition/online/buchhandlungspreis-2025-unterstuetzung-fuer-ausgeschlossenen-buchhandlungen?
Sonst wollten wir mit euch den Redebeitrag teilen, der freundlicherweise am 18.03.26. bei der Kundgebung “Gegen Zensur und Autoritarismus” (vielen lieben Dank an die Organisator*innen und Teilnehmenden) für uns drei Buchhandlungen vorgelesen wurde, das klang ungefähr so:
“Wir sind überwältigt, und das gleich in vielerlei Hinsicht – überwältigt von den sonderlichen Vorgängen im Kulturministerium, überwältigt von der unglaublichen Solidarität, die sich quer durchs ganze Land zieht, aber auch überwältigt von Müdigkeit, weil wir neben den beständigen Diskussionen, dem Nachdenken über das Vorgefallene, Presse- und Interviewanfragen und dem Austausch mit unseren Anwält:innen auch noch Buchläden offenhalten, in denen gerade sehr, sehr viele Menschen unterwegs sind. Deshalb sind wir nicht in Leipzig, wir schaffen das einfach nicht …
Wir freuen uns sehr, dass sich solidarische Menschen versammeln, um sich gegen die peinliche Praxis des “Kulturkampfministers” Wolfram Weimer zu wehren. Wir wollen uns bedanken: bei euch und allen Menschen, die solidarisch Bücher bestellen, für die breite Rückendeckung von Verlagen, Autor:innen, Buchhandlungen und allen anderen, deren Aufzählung sicherlich mindestens eine halbe Stunde beanspruchen würde. Wir freuen uns über alle Leute, die regelmäßig zu uns kommen, und über alle neuen Gesichter, die seit dem Weimerischen Fehlgriff zu uns in die Läden strömen.
Die Empörung ist groß: zurecht! Wir haben uns auf einen Preis beworben, hätten ihn bekommen, wurden belogen und nachträglich gestrichen, weil wir einem erzkonservativen Minister nicht in den Kram passen. Er bläst zum Angriff auf Buchläden, auf Orte der Irritation, wo sich Menschen über die Welt, in der sie leben müssen, informieren können, wo sich Menschen aufhalten und verbinden können, wo Menschen ohne Angst sein können, wie sie sind oder sein wollen, wo sie sich eine Zukunft vorstellen können, die schöner ist als die Gegenwart.
Gleichzeitig werden überall Projekte, Institutionen und kulturelle Einrichtungen, die sich für ein anderes Zusammenleben einsetzen, attackiert. Ihnen werden Gelder entzogen, Leute werden entlassen und wie unsere Läden auch werden sie ganz direkt in Wort und Tat von Rechten angegriffen. Und das geschieht nicht nur hier in Deutschland, sondern weltweit. Sei es in den USA, in Ungarn, in der Türkei und an anderen Orten dieser Welt, deren Aufzählung leider ebenfalls mindestens eine halbe Stunde beanspruchen würde.
Wenn wir den Worten unseres obersten Kulturkämpfers und den Worten diverser AfD-Funktionäre und dem rechten Geraune insgesamt lauschen und genauer zuhören, geht es wohl nur vordergründig um linke Buchläden: eigentlich geht es darum, vielfältige, diverse und queere Kulturen soweit zurechtzustutzen oder zu verdrängen, bis nur noch die „natürliche Aufeinander-Bezogenheit von Mann und Frau“, so Weimer 2012 in einem seiner Bücher, übrig bleibt. Für jene, die solche Ziele verfolgen, wirkt praktisch alles radikal, was dem widerspricht, und alles wird zum Ziel, was irgendwie mit Büchern zu tun hat: Buchläden, Verlage, Bibliotheken und mehr.
Wir hoffen, dass die Geschehnisse zur mutigen Diskussion anregen. Dass es nicht bleibt bei Gesprächen über die Oberfläche, dem Cover, sondern wir auch weiterblättern und uns alle weiteren Kapitel anschauen. Mögliche Fragen: Was ist der Verfassungsschutz eigentlich für eine Behörde? Wurde sie vielleicht vorgeprägt durch die Nazis, die dort nach dem NS wieder ihre erste Anstellung fanden? Wem nutzt die unsägliche Gleichsetzung von links und rechts? Was für ein sonderbares Denken setzt die gnadenlose Intoleranz, die zur rechten Ideologie dazugehört, mit Menschen gleich, die Kritik an Sexismus, Rassismus und Antisemitismus – und ja, auch am Kapitalismus üben und für die eine ungleiche Welt ohne Vielfalt keine gute Welt ist?
Eure Buchhändler:innen können euch zu all diesen Fragen und Themen ein Buch in die Hand drücken, welches in Komplexität und Tiefe schon im Vorwort die provinziellen Ergüsse verschiedener konservativer Politiker widerlegen und übertreffen würde.
Wir bitten euch, alle Kolleg:innen und alle anderen: Macht weiter gegen rechts, supportet Räume, in denen alle sich eine bessere Welt erspinnen dürfen, und schafft weitere Orte, an denen sich über die Zumutungen dieser Gesellschaft informiert werden kann. Wir machen weiter, mit und ohne Preis, aber hoffentlich niemals ohne Euch!
Mit ganz lieben Grüßen
Buchladen Rote Straße * The Golden Shop * Zur schwankenden Weltkugel””.
Quelle: https://www.roter-buchladen.de/
Siehe auch: https://www.roter-buchladen.de/blog
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Aus dem Blog der Roten Straße:
”
Blog
Redebeitrag der Buchladenpreisgewinner*innen der Herzen in Leipzig zur Buchmesse (18.03.26) und zwei Petitionen
Erstellt: 19. März 2026
Liebe Freund*innen des Buchladens Rote Straße,
wir möchten euch hinweisen auf zwei Petitionen anlässlich der peinlichen Praxis des “Kulturkampfministers” Wolfram Weimer. Eine hier, die seinen Rücktritt fordert https://weact.campact.de/petitions/kultur-braucht-freiheit-freiheit-braucht-kultur-weimer-muss-weg
und eine hier vom Landesverband Nord des Börsenvereins des deutschen Buchhandels https://www.openpetition.de/petition/online/buchhandlungspreis-2025-unterstuetzung-fuer-ausgeschlossenen-buchhandlungen?
Sonst wollten wir mit euch den Redebeitrag teilen, der freundlicherweise am 18.03.26. bei der Kundgebung “Gegen Zensur und Autoritarismus” (vielen lieben Dank an die Organisator*innen und Teilnehmenden) für uns drei Buchhandlungen vorgelesen wurde, das klang ungefähr so:
“Wir sind überwältigt, und das gleich in vielerlei Hinsicht – überwältigt von den sonderlichen Vorgängen im Kulturministerium, überwältigt von der unglaublichen Solidarität, die sich quer durchs ganze Land zieht, aber auch überwältigt von Müdigkeit, weil wir neben den beständigen Diskussionen, dem Nachdenken über das Vorgefallene, Presse- und Interviewanfragen und dem Austausch mit unseren Anwält:innen auch noch Buchläden offenhalten, in denen gerade sehr, sehr viele Menschen unterwegs sind. Deshalb sind wir nicht in Leipzig, wir schaffen das einfach nicht …
Wir freuen uns sehr, dass sich solidarische Menschen versammeln, um sich gegen die peinliche Praxis des “Kulturkampfministers” Wolfram Weimer zu wehren. Wir wollen uns bedanken: bei euch und allen Menschen, die solidarisch Bücher bestellen, für die breite Rückendeckung von Verlagen, Autor:innen, Buchhandlungen und allen anderen, deren Aufzählung sicherlich mindestens eine halbe Stunde beanspruchen würde. Wir freuen uns über alle Leute, die regelmäßig zu uns kommen, und über alle neuen Gesichter, die seit dem Weimerischen Fehlgriff zu uns in die Läden strömen.
Die Empörung ist groß: zurecht! Wir haben uns auf einen Preis beworben, hätten ihn bekommen, wurden belogen und nachträglich gestrichen, weil wir einem erzkonservativen Minister nicht in den Kram passen. Er bläst zum Angriff auf Buchläden, auf Orte der Irritation, wo sich Menschen über die Welt, in der sie leben müssen, informieren können, wo sich Menschen aufhalten und verbinden können, wo Menschen ohne Angst sein können, wie sie sind oder sein wollen, wo sie sich eine Zukunft vorstellen können, die schöner ist als die Gegenwart.
Gleichzeitig werden überall Projekte, Institutionen und kulturelle Einrichtungen, die sich für ein anderes Zusammenleben einsetzen, attackiert. Ihnen werden Gelder entzogen, Leute werden entlassen und wie unsere Läden auch werden sie ganz direkt in Wort und Tat von Rechten angegriffen. Und das geschieht nicht nur hier in Deutschland, sondern weltweit. Sei es in den USA, in Ungarn, in der Türkei und an anderen Orten dieser Welt, deren Aufzählung leider ebenfalls mindestens eine halbe Stunde beanspruchen würde.
Wenn wir den Worten unseres obersten Kulturkämpfers und den Worten diverser AfD-Funktionäre und dem rechten Geraune insgesamt lauschen und genauer zuhören, geht es wohl nur vordergründig um linke Buchläden: eigentlich geht es darum, vielfältige, diverse und queere Kulturen soweit zurechtzustutzen oder zu verdrängen, bis nur noch die „natürliche Aufeinander-Bezogenheit von Mann und Frau“, so Weimer 2012 in einem seiner Bücher, übrig bleibt. Für jene, die solche Ziele verfolgen, wirkt praktisch alles radikal, was dem widerspricht, und alles wird zum Ziel, was irgendwie mit Büchern zu tun hat: Buchläden, Verlage, Bibliotheken und mehr.
Wir hoffen, dass die Geschehnisse zur mutigen Diskussion anregen. Dass es nicht bleibt bei Gesprächen über die Oberfläche, dem Cover, sondern wir auch weiterblättern und uns alle weiteren Kapitel anschauen. Mögliche Fragen: Was ist der Verfassungsschutz eigentlich für eine Behörde? Wurde sie vielleicht vorgeprägt durch die Nazis, die dort nach dem NS wieder ihre erste Anstellung fanden? Wem nutzt die unsägliche Gleichsetzung von links und rechts? Was für ein sonderbares Denken setzt die gnadenlose Intoleranz, die zur rechten Ideologie dazugehört, mit Menschen gleich, die Kritik an Sexismus, Rassismus und Antisemitismus – und ja, auch am Kapitalismus üben und für die eine ungleiche Welt ohne Vielfalt keine gute Welt ist?
Eure Buchhändler:innen können euch zu all diesen Fragen und Themen ein Buch in die Hand drücken, welches in Komplexität und Tiefe schon im Vorwort die provinziellen Ergüsse verschiedener konservativer Politiker widerlegen und übertreffen würde.
Wir bitten euch, alle Kolleg:innen und alle anderen: Macht weiter gegen rechts, supportet Räume, in denen alle sich eine bessere Welt erspinnen dürfen, und schafft weitere Orte, an denen sich über die Zumutungen dieser Gesellschaft informiert werden kann. Wir machen weiter, mit und ohne Preis, aber hoffentlich niemals ohne Euch!
Mit ganz lieben Grüßen
Buchladen Rote Straße * The Golden Shop * Zur schwankenden Weltkugel”
PM: Bundesbeauftragter für Kultur und Medien hat Buchhandlungen belogen – Zwei der ausgeschlossenen Buchhandlungen waren für Sonderpreis vorgesehen – Klagen sind erhoben – Sammelaktion für die Buchhandlungen gestartet
Erstellt: 11. März 2026
PRESSEMITTEILUNG
Berlin, Bremen, Göttingen, den 11.03.2026
Der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM) hat die drei vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Buchhandlungen aktiv getäuscht. In einer vom BKM zu verantwortenden E-Mail vom 10.02.2026 an die Buchhandlungen heißt es: „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Sie von der unabhängigen Jury nicht für eine Auszeichnung ausgewählt wurden. Die Jury hat sich bei dem sehr hohen Niveau der Bewerbungen die Entscheidungsfindung nicht leicht gemacht. Die getroffene Wahl schmälert deshalb keineswegs unsere Hochachtung für Ihr großes Engagement.“
Die Jury hat in ihrer Stellungnahme vom 09.03.2026 klargestellt, dass sie die drei Buchhandlungen als Preisträgerinnen vorgesehen hatte. Die nachträgliche Entscheidung, die drei Buchhandlungen von der Prämierung auszuschließen, sei von dem BKM getroffen worden und hätte außerhalb des Einflussbereichs der Jury gelegen.
“Eine derartige Lüge wie in der Absage-E-Mail an die Buchhandlungen ist feige und eines Bundesbeauftragten für Kultur und Medien nicht würdig. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat nicht nur den Buchhandlungspreis beschädigt, sondern auch sein eigenes Amt. Wir prüfen jetzt zusätzlich eine Dienstaufsichtsbeschwerde an das Kanzleramt.” erklärt RA Sven Adam als Bevollmächtigter der Buchhandlung Rote Straße (Göttingen) zu den neuen Erkenntnissen aufgrund der Erklärung der Jury.
Der BKM hat wahrheitswidrig behauptet, die Buchhändlerinnen wären von der Jury nicht für den renommierten Buchhandlungspreis ausgewählt worden. Hätte nicht ein:e Whistleblower:in die Vorgänge öffentlich gemacht, würden die Buchhandlungen bis heute dem Irrtum aufsitzen, die Fachjury hätte sich gegen sie entschieden. „Es entsteht der Eindruck, dass Weimer und seine Behörde gelogen haben, um sich der öffentlichen Diskussion und der gerichtlichen Kontrolle zu entziehen.“ erklärt RAin Voigt als Bevollmächtigte der Buchhandlung “Golden Shop” (Bremen).
Indes ist auch bekannt geworden, dass zwei der drei ausgeschlossenen Buchhandlungen sogar als “besonders herausragende Buchhandlungen” prämiert worden wären und einen Preis in Höhe von 15.000 Euro erhalten hätten. Es handelt sich um die Buchhandlungen Golden Shop (Bremen) und Rote Straße (Göttingen). „Nicht nur der Streitwert der Klagen hat sich dadurch erhöht. Es wird auch deutlich, dass der Bundesbeauftragte keinerlei Respekt vor der Fachjury hat.”, so RAin Voigt weiter.
Seit gestern sind auch die Klagen gegen den BKM und das Bundesamt für Verfassungsschutz vor den Verwaltungsgerichten Berlin und Köln anhängig. “Mit unseren Klagen wollen wir gerichtlich feststellen lassen, dass die Datenübermittlungen zwischen dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und dem Bundesamt für Verfassungsschutz rechtswidrig waren. Die Anwendung des Haber-Verfahrens sendet an jede Buchhandlung, jeden Verlag, jede Kultureinrichtung in diesem Land die Botschaft: Pass auf, was du ins Schaufenster stellst. Überleg dir, wen du einlädst. Halt dich zurück, wenn du Fördergelder beantragst. Der Datenaustausch befördert eine schleichende Selbstzensur, die mit der Meinungs- und Pressefreiheit unvereinbar ist”, führt RA Dr. Jasper Prigge, der den Buchladen zur schwankenden Weltkugel (Berlin) vertritt, abschließend aus.
Neben den vielen Unterstützungsangeboten aus Politik, Gesellschaft und insbesondere dem Buchhandel läuft seit dem Wochenende unter der Adresse https://lesen-hilft.org/ eine Sammelaktion zur finanziellen Unterstützung der Grundsatzsatzverfahren der drei Buchhandlungen. Auf der Internetseite heißt es: “Diese Kampagne ist mehr als eine finanzielle Unterstützung. Sie ist ein Zeichen dafür, dass unabhängige Buchkultur wichtig ist.”
[…]
für die Buchhandlungen: Buchladen Rote Straße (Göttingen), Golden Shop (Bremen), Buchladen zur schwankenden Weltkugel (Berlin)
Die Absage-E-Mails des BMK vom 10.02.2026 befinden sich in der Anlage zu dieser Mitteilung.
Schreiben von Sebastian Wertmüller über den Buchladen Rote Straße anlässlich der Peinlichkeiten des Wolfram Weimer
Erstellt: 11. März 2026
Wir teilen hier ein Schreiben von Sebastian Wertmüller, welches uns sehr freut. Vor allem wird unser ehemaliges Kollektivmitglied Klaus gewürdigt, was uns sehr berührt.
Der Buchladen Rote Straße in Göttingen war und ist über viele Jahre hinweg ein zuverlässiger und kompetenter Partner für den Deutschen Gewerkschaftsbund in Göttingen bei der Durchführung von Veranstaltungen verschiedenster Art. Für den Zeitraum bis 2006 hatte ich als DGB-Vorsitzender u.a. eine ganze Reihe von Lesungen in Kooperation mit dem Buchladen Rote Straße durchgeführt. Der Buchladen war immer ein souveräner Partner, Anlässe an einem Zweifel an seiner demokratischen Verfasstheit und Haltung gab es zu keinem Zeitpunkt.
In meiner Tätigkeit als ver.di-Geschäftsführer für den ver.di Bezirk Süd-Ost-Niedersachsen mit einer großen Geschäftsstelle in Göttingen machte ich dieselben Erfahrungen zwischen 2011 und meinem Ausscheiden im Jahr 2025.
Schon aus diesen Gründen war und ist der Buchladen Rote Straße auch die Buchhandlung vor Ort, bei dem der DGB und mein ver.di-Bezirk seine komplette Fachliteratur bezog, ebenso wie zahlreiche Buchpräsente für Veranstaltungen.
Einer der Buchhändler und Mitbegründer des Buchladens Rote Straße kam gewerkschaftlich von der Deutschen Angestelltengewerkschaft DAG und war über Jahre deren örtlicher Vorsitzender. Er war aktiv beteiligt an der Gründung der Gewerkschaft ver.di im Jahr 2000. Der Kollege war über Jahre hinweg Vorsitzender des ver.di-Ortsvereins in Göttingen und bis zu seinem Tod Mitglied im ver.di-Bezirksvorstand und im Präsidium. Auch er wird hier indirekt angegriffen und seine persönliche Integrität in Frage gestellt.
Ich betrachte daher die Attacken auf den Buchladen Rote Straße (d.h. den Ausschluss vom Buchhandlungspreis und die politische Bewertung durch Kulturstaatsminister Weimer) nicht nur als einen kulturpolitischen Skandal allerersten Ranges.
Es ist auch ein Angriff auf den Deutschen Gewerkschaftsbund und auf die Gewerkschaft ver.di (sowie auch vielen andere kommunale und regionale Partner des Buchladens), die mit der Buchhandlung eng kooperieren. Herr Weimer unterstellt dem DGB und ver.di mit seinen Vorwürfen eine Zusammenarbeit mit verfassungsfeindlichen und linksextremistischen Kräften. Einem verdienten und zwischenzeitlich verstorbenen langjährigen Funktionär unserer Gewerkschaft und geachteten Buchhändler wird über diesen Weg ebenfalls Linksextremismus nachgesagt. Dass derartige ideologischen Vorwürfe aus der Zeit der Berufsverbotsverfahren der 70er Jahre wieder gegen Buchläden herangezogen werden, wirkt gespenstig gestrig und zugleich gruselig zeitgeistig im Sinne eines trumpistischen Rechtspopulismus.
Als überzeugter Demokrat und engagierter Gewerkschafter wehre ich mich gegen diesen skandalösen Vorgang, diesen Versuch der Zensur und Geschäftsschädigung durch Mittelentzug. Der Buchladen erhält von mir jede notwendige Unterstützung.
Kulturstaatsminister Weimer hat erkennbar ein weiteres Mal ein Problem mit der Wahrnehmung von Grundrechten, wenn sie nicht seiner konservativen Haltung entsprechen. Das ist das Problem und das ist der Skandal, nicht aber der Verkauf von Büchern durch preisgekrönte Buchhandlungen, die für die Verbreitung einer demokratischen Kultur wahrscheinlich mehr beitragen als Weimer in seiner gesamten beruflichen Laufbahn!
Sebastian Wertmüller, 05.03.2026
DGB-Vorsitzender in Göttingen von 1996 – 2006
ver.di-Geschäftsführer Süd-Ostniedersachsen 2011 – 2025
Lesen hilft! Kampagnen- und Spendenwebsite gelaunched gegen die Verirrungen des Kulturstaatsministers
Erstellt: 07. März 2026
Seitdem wir aus der Presse erfahren haben, das wir vom Buchhandlungspreis ausgeschlossen wurden, kommen immer wieder Menschen, die fragen, was sie tun können. Neben euren lieben Besuchen und euren solidarischen Buchbestellungen deutschlandweit, gibt es nun auch eine Kampagne Lesen hilft! und die dazugehörige Website lesen-hilft.org, auf der sich informiert und gespendet werden kann. Die Spenden sollen uns Buchläden helfen das Preisgeld einzusammeln, was uns verwehrt wurde. Jeder Betrag hilft!
Wir freuen uns sehr, wenn ihr die Kampagne und Website bekannt macht und fleißig teilt. Wir freuen uns natürlich auch, wenn ihr weiterhin vorbeikommt und die Buchläden weiterhin als Orte der Begegnung und der schönen Literatur aufblühen lasst. Wir sind sehr gerührt über die zahlreichen Solidaritätsbekundungen und die lieben Besuche.
Also schaut rum auf https://lesen-hilft.org
und immer gern vor Ort, sei es in Göttingen, Bremen oder Berlin.
Liebe Grüße,
der Buchladen Rote Straße
Pressemitteilung – Buchhandlungen kündigen juristische Schritte gegen den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und den Verfassungsschutz an
Erstellt: 06. März 2026
Hier ganz direkt und vor der PM: Wir freuen uns maßlos über die schier unglaubliche Anzahl an solidarischen Erklärungen, lieben Nachrichten und freundlichen Menschen, die persönlich vorbeikommen. Wir machen weiter wie bisher und freuen uns in so einem tollen Umfeld euch die schönsten Bücher der Welt zu vermitteln.
Herzliche Grüße,
der Buchladen Rote Straße
PRESSEMITTEILUNG – Buchhandlungen kündigen juristische Schritte gegen den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und den Verfassungsschutz an
Berlin, Bremen, Göttingen, den 05.03.2026
Der Deutsche Buchhandlungspreis wird jährlich an über einhundert Buchhandlungen
verliehen. Welche Buchhandlung mit dem Preis gewürdigt wird, entscheidet eine jährlich
wechselnde Jury von Fachleuten aus der Buchbranche nach Durchsicht der
Bewerbungsunterlagen. Die Abzeichnung der Nominiertenliste durch den Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) war bisher reine Formsache. Wie die
Süddeutsche Zeitung am 03.03.2026 berichtete, hat dieses Jahr der BKM drei der nominierten
Buchhandlungen von der Liste gestrichen mit der Begründung, es lägen
“verfassungsschutzrechtliche Erkenntnisse” über sie vor. Der BKM griff mit dem sog. Haber-
Verfahren in eine Entscheidung einer unabhängigen Jury ohne belastbare Begründung ein.
Die von diesem Eingriff betroffenen drei linken Buchhandlungen Golden Shop (Bremen), Rote
Straße (Göttingen) und Zur schwankenden Weltkugel (Berlin) gehen nun gerichtlich gegen die
Streichung von der Preisliste vor. Mit den Rechtsanwält:innen Lea Voigt (Bremen), Sven Adam
(Göttingen), Dr. Jasper Prigge und Sophie Hartmann (Düsseldorf) sowie mit Unterstüzung des
Gegenrechtsschutzes von FragDenStaat und der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF)
setzen sich die Buchhandlungen auch gegen das rechtsstaatlich fragwürdige sog. Haber-
Verfahren und die verdeckte Einflussnahme durch den Verfassungsschutz zur Wehr.
“Die drei Buchläden wurden von einer sachverständigen Jury für den Preis bestimmt weil sie
ein literarisches Sortiment oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten oder sich im
Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren. Sie haben den Preis verdient und wir
bereiten daher Klagen gegen den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
auf Vergabe des Preises wie von der Jury gewollt vor.” formulieren die Anwält*innen der
Buchläden das Ziel der anstehenden gerichtlichen Auseinandersetzungen. “Daneben besteht
ein grundrechtlich geschütztes Interesse zu erfahren, wer genau wann und warum auf die
Preisvergabe diesen bislang beispiellosen Einfluss genommen hat. Es werden daher auch
Verfahren auf vollständige Auskunft über die Abläufe und über die vermeintlich vorliegenden
Informationen nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und dem
Bundesverfassungsschutzgesetz (BVerfSchG) geführt. Auch das sog. Haber-Verfahren wird
gerichtlich überprüft werden.” so die Bevollmächtigten weiter. Die Klagen werden Anfang der
kommenden Woche erhoben.
Für Presseanfragen:
RA Sven Adam (Göttingen) – +49 (0) 551 488 31 69 – kontakt (at) anwaltskanzlei-adam (dot) de
RA Dr. Jasper Prigge (Düsseldorf) – +49 (0) 211 4174 89 90 – kontakt (at) prigge-recht (dot) de
RAin Lea Voigt (Bremen) – +49 (0) 421 335 16 78 – voigt (at) strafverteidiger-bremen (dot) de
für die Buchhandlungen: Buchladen Rote Straße (Göttingen), The Golden Shop (Bremen), Zur
schwankenden Weltkugel (Berlin)”.
Quelle: https://www.roter-buchladen.de/blog